Historie

Nachkriegsgeläut

seit 1956

Nach den beiden Weltkriegen verblieb mit der Betglocke nur eine von sechs Glocken in den Türmen der Peterskirche. Erst 12 Jahre nach Kriegsende erhielt die Peterskirche wieder ein vollständiges Geläut. 1948 konnte die Tuchmacherglocke vom sogenannten Hamburger Glockenfriedhof geborgen werden und 1956 ließ die Peterskirchgemeinde schließlich noch zwei neue Glocken aus Eisen gießen. Nachdem man diese mit der Rückkehrerin in den neuen Stahlglockenstuhl im Mittelbau schaffte, konnte schließlich dieses neue, vierstimmige Geläut 1957 in Betrieb genommen werden.

Nummer Bezeichnung Ton Gewicht Ø Gussjahr Gießer Material
1 Betglocke fis0 5700 kg 218,0 cm 1697 Joachim Hannibal Brors Bronze
2 Petrusglocke cis1 2700 kg 184,5 cm 1956 Schilling & Lattermann Eisen
3 Paulusglocke e1 1600 kg 152,5 cm 1956 Schilling & Lattermann Eisen
4 Tuchmacherglocke fis1 643 kg 102,0 cm 1737 Benjamin Körner Bronze

Tuchmacherglocke

Tuchmacherglocke Peterskirche Görlitz

Nachdem die Primariat- und die Schützenglocke aus dem Sievert'schen Guss von 1691 nur wenige Jahre später schadhaft geworden waren, wurden beide 1716 umgegossen. In diesem Zuge stiftete die Tuchmacherinnung der Peterskirche eine sechste Glocke, welche zusammen mit den beiden Umgüssen von Michael Weinhold aus Dresden geschaffen wurde.


Dier Guss gelang, aber die Tuchmacherglocke harmonierte jedoch nicht mit der eine Oktave tiefer klingenden Betglocke, weshalb der in Görlitz tätige Benjamin Körner sie 1737 nochmals umgoss.


Diese Form hat sie bis heute und mehr als 200 Jahre lang hing sie unbehelligt im Südturm. 1943 holte man sie dann für Rüstungzwecke herunter und transportierte sie nach Hamburg, wo sie nach Kriegsende aber geborgen und wieder nach Görlitz zurückgebracht werden konnte. Ihr altes Holzjoch verblieb dabei oben im Turm, wo es sich nun mehr als 80 Jahre später immer noch befindet.


Sie selbst hängt heute an einem gekröpften Stahljoch, im oberen Gefach des 1956/57 errichteten Stahlglockenstuhls, zwischen den Türmen.

  • Schriftband Schulter

    Ao.1716. GEGOSSEN VON MICHAEL WEINHOLD AVS DRESSDEN.

    Ao.1737. DER HARMONIE WEGEN VMGEGOSSEN VON BENJAMIN KOERNERN AVS GOERLITZ.

  • Inschrift Flanke (hinten)

    DEM DREYEINIGEN GOTT ZU EHREN HAT ANNO 1716

    DIE LOEBL: ZUNFFT DER TVCHMACHER ALLHIR IN GOER-

    LITZ AVF IHRE KOSTEN DIESE GLOCKEN LASSEN GIESSEN,

    VND IN DIESE KIRCHE WOHLMEINEND VEREHRET.

    VND SIND ZV DIESER ZEIT ELTESTEN GEWESEN:

    MARTIN TAESCHNER,

    GEORGE SCHNEIDER,

    DANIEL WIESSNER,

    GOTTFRIED VLRICH,

    GOTTFRIED SEIBT, ANDREAS ALTENBERGER,

    DAVID WIEDEMANN, JOACHIM FIRLE,

    CHRISTIAN SCHMID, JOHANN SCHNEIDER,

    CHRISTIAN HOFFMANN, JOHANN FRIEDRICH NOEFFE.

Paulusglocke

Tuchmacherglocke Peterskirche Görlitz

Um das nach den beiden Weltkriegen unvollständige Geläut zu ergänzen, ließ die Peterskirchgemeinde 1956 zwei neue Glocken gießen. Die kleinere der beiden ist die Paulusglocke.


Im Eisenhartgussverfahren von Schilling & Lattermann in Morgenröthe gegossen, kam sie 1957 in die Glockenstuben von St. Peter und Paul. Ihre  Zier wurde von Elly-Viola Nahmmacher gestaltet und ist für eine Eisenglocke recht außergewöhnlich. Zentrales Element ist das namensgebende Relief des Apostels Paulus auf der vorderen Flanke.


Sie hängt mit ihrer großen Schwester, der Petrusglocke, sowie der historischen Tuchmacherglocke in einem Stahlglockenstuhl zwischen den beiden Türmen.

  • Schriftband Schulter

    DEIN REICH IST EIN EWIGES UND DEINE HERRSCHAFT WÄHRET FÜR UND FÜR

  • Inschrift Flanke (vorne)

    SEID FLEISSIG ZU HALTEN DIE EINIGKEIT +

    DURCH DAS BAND DES FRIEDENS IM GEIST

  • Inschrift Flanke (hinten)

    WAS DER KRIEG ZER-

    STÖRTE    GOTT   UNS

    NEU   BESCHERTE       

    M     C     M     L     V     I

Petrusglocke

Petrusglocke Peterskirche Görlitz

Um das nach den beiden Weltkriegen unvollständige Geläut zu ergänzen, ließ die Peterskirchgemeinde 1956 zwei neue Glocken gießen. Die größere der beiden ist die Petrusglocke.


Im Eisenhartgussverfahren von Schilling & Lattermann in Morgenröthe gegossen, kam sie 1957 in die Glockenstuben von St. Peter und Paul. Ihre  Zier wurde von Elly-Viola Nahmmacher gestaltet und ist für eine Eisenglocke recht außergewöhnlich. Zentrales Element ist das namensgebende Relief des Apostels Petrus auf der vorderen Flanke.


Sie hängt mit ihrer kleinen Schwester, der Paulusglocke, sowie der historischen Tuchmacherglocke in einem Stahlglockenstuhl zwischen den beiden Türmen. Seit mehr als 10 Jahren kann sie nicht geläutet werden, da ihr Joch beschädigt ist.

  • Schriftband Schulter

    IN DER NOT RUFE ICH DICH AN DU WOLLTEST MICH ERHÖREN +

  • Inschrift Flanke (vorne)

    ALLE SORGEN WERFET AUF IHN

    DENN ER SORGET FÜR EUCH

  • Inschrift Flanke (hinten)

    MEINE SCHWESTERN

    NAHM    DER   KRIEG   

    ICH  KUEND WIEDER  

    GOTTES  SIEG                

    M     C     M     L     V     I

Große Betglocke

Betglocke Peterskirche Görlitz

Sie ist die älteste und derzeit größte Glocke der Peterskirche sowie der Lausitz. Im Auftrag des Görlitzer Stadtrates wurde sie am 24. Januar 1697 von Joachim Hannibal Brors gegossen.


Ihre Geschichte beginnt bereits 1472, als ihre Vorgängerin, die erste Große Glocke Susanna, von Matthias Haubitz geschaffen wurde. 1598 wurde diese von Urban Schober und Martin Weigel umgegossen, nachdem sie im Jahr zuvor bei einem Grabläuten zersprang. Diese "Zweite Susanna" ging in den Flammen des großen Stadtbrandes vom 19. März 1691 unter und lieferte anschließend das Material für Brors' Betglocke.


Von den beiden Weltkriegen verschont, war sie die einzige Glocke, welche in den Türmen verblieben war. Im Zuge der Errichtung des neuen Geläutes 1956/57 wurde sie erstmals elektrisch läutbar gemacht. Dabei kröpfte man nachträglich das historische Holzjoch und baute ihren Glockenstuhl um.


Diese baulichen Veränderungen führten zu gravierenden Schäden an Joch und Glockenstuhl, sodass die Glocke stillgelegt werden musste. Nachdem sie am Karfreitag 1993 ein letztes Mal geläutet hatte, konnte sie erst nach umfangreicher Sanierung zum Pfingstfest 2023 wieder in Betrieb genommen werden.


Wie bereits ihre Vorgängerin, die Susanna, befindet sich die Betglocke in der unteren Glockenstube des Nordturms. Sie läutet als Ersatz für die 1917 zerschlagene Große Glocke zu den hohen Festtagen, sowie Neujahr, weshalb sie auch Große Betglocke genannt wird. Auch Sonntags zu Gottesdiensten mit Abendmahl ist sie zu hören. Als Betglocke begleitete sie dabei einst das Vaterunser-Gebet, indem sie mit einem Hammer mehrmals angeschlagen wurde.

  • Schriftband Schulter (oben)

    COSS. ELIA.RICHTER. MICHAEL.STEINBACH. JOH.KISLING.

    IGNIS EGO SALVA RABIE VITIATA RESVRGO KISLINGI CVRIS ET. WIDEMANNE. TVIS.


    Vorstand Elias Richter, Michael Steinbach, Johann Kiesling.

    Ich durch wilde Flut des Feuers verdorben, erstehe wieder durch eure Sorg', Kiesling und Wiedemann, neu.

  • Schriftband Wolm (unten)

    FVSA HÆC ANNO MDXCVIII CAMPANA SED. AN. MDCXCI D. XIX. MART.

    EODEM. QVO COETERÆ FVNESTO INCENDIO LABEFACTÆ. ÆDIS HVIVS

    PETRO – PAVLINÆ CVRATORUM. IOHANNIS KISLINGII. CONS. ET L. CHRISTIANI

    WIDEMANNI. SCABINI. AVSPICIIS. ANNO MDCXCVII. MENSE JAN. RESTAVRATA

    EST OPERI IOACH. HANNIBALIS BRORSII.


    Gegossen im Jahr 1598 wurde diese Glocke im Jahr 1691, dem 19. März, mit den Anderen in Brand gesetzt.

    Unter Vorsteher seines Hauses Peter und Paul, Johann Kiesling, und unter Aufsicht des Ratsherren

    L. Christian Wiedemann, wurde im Jahre 1697 Monat Januar, dieses Werk wiederhergestellt durch

    Joachim Hannibal Brors.